Verschiffung von Kolumbien nach Deutschland: Der komplette RoRo-Guide

Nach unzähligen Kilometern, atemberaubenden Landschaften und dem puren Vanlife-Abenteuer auf der Panamericana heißt es für uns nun: Abschied nehmen von Südamerika. Unser Mercedes Sprinter „Jimmy“ tritt die Heimreise an. Die Verschiffung von Cartagena (Kolumbien) nach Europa steht an – genauer gesagt nach Bremerhaven (Deutschland).

Die Camper-Verschiffung von Südamerika nach Deutschland ist für viele Overlander ein Meilenstein, der oft mit Respekt, viel Papierkram und einigen Nerven verbunden ist 🫣😅. In diesem ultimativen Guide nehmen wir euch Schritt für Schritt mit durch den gesamten Verschiffungsprozess am Hafen von Cartagena. Egal ob euer Camper nach Bremerhaven, Antwerpen oder Emden geht: Der Ablauf in Kolumbien bleibt derselbe! ☀️

Unsere Eckdaten: Agent, Reederei und Kosten der Verschiffung

Damit ihr direkt wisst, womit ihr rechnen müsst, hier unsere transparenten Zahlen und Partner für die Überfahrt. Wir haben uns für die RoRo-Verschiffung (Roll-on/Roll-off) entschieden.

  • Verschiffer / Reederei: Caravan Shippers
  • Unser Hafenagent in Cartagena: Daniel Barrera
  • Zielhafen: Bremerhaven, Deutschland
  • Gesamtkosten: 4.095 EUR

Was ist in den 4.095 Euro enthalten? Dieser Preis inkludiert die kompletten Seefrachtkosten, die Gebühren für unseren Agenten Daniel Barrera, die Hafengebühren in Cartagena sowie die Transportversicherung. Unser Tipp für euch: Es gibt viele verschiedene Anbieter und Agenten auf dem Markt. Wir empfehlen euch dringend, im Vorfeld mehrere Angebote einzuholen, diese genau zu vergleichen und vor allem auf das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die inkludierten Leistungen (wie Hafensteuern oder Versicherung) zu achten! 🙌

Planänderung: Warum wir RoRo verschifft haben

Van am Hafen

Eigentlich sah unser Plan ganz anders aus. Wir hatten fest vor, Jimmy sicher in einem Seecontainer nach Europa zu schicken. Doch wie das auf Reisen oft so ist: Pläne ändern sich. Unser geplanter „Container Buddy“ – also der Reisepartner, mit dem wir uns einen großen 40-Fuß-High-Cube-Container teilen wollten – hat leider kurzfristig abgesagt.

Dadurch wurden wir zu einer schnellen Entscheidung gezwungen. Einen großen Container alleine zu zahlen, hätte das Budget gesprengt, da hier der Preis aktuell bei ca. 7.000 € liegt. Also entschieden wir uns für die RoRo-Verschiffung. Das bedeutete für uns zwar eine deutlich frühere und etwas überstürzte Abreise aus Südamerika, war aber unter den gegebenen Umständen die beste Lösung. 

RoRo vs. Container-Verschiffung: Vor- und Nachteile im Überblick

Wenn ihr euren Van von Kolumbien nach Europa verschiffen wollt, steht ihr unweigerlich vor der Entscheidung: RoRo oder Container? Beide Varianten haben ihre Daseinsberechtigung. Hier ist ein ehrlicher Vergleich.

Container-Verschiffung

Bei dieser Methode fahrt ihr euren Camper in einen standardisierten Seecontainer. Er wird verzurrt, die Türen werden versiegelt und erst in Europa wieder geöffnet.

  • Vorteile: Maximale Sicherheit. Euer Fahrzeug ist vor Wettereinflüssen, Salzwasser und vor allem vor Diebstahl geschützt. Ihr behaltet euren Autoschlüssel und könnt all euer Hab und Gut (inklusive teurer Ausrüstung) im Van lassen.

  • Nachteile: Strikte Größenbeschränkungen. Euer Van muss durch die Containertür mit 2,58 m Höhe passen (oft das K.o.-Kriterium für hohe oder sehr breite Fahrzeuge). Zudem ist es sehr teuer, wenn man keinen Container Buddy findet, um sich die Kosten für einen 40-Fuß-Container zu teilen. 

Wichtiges Learning: Bei unserer Verschiffung von Panama nach Uruguay war der Van zwei Monate im feuchten Container und hat Schimmel angesetzt. Falls ihr Container wählt: Packt unbedingt Entfeuchter (oder einfaches Pool-Salz) in den Innenraum!

RoRo-Verschiffung (Roll-on / Roll-off)

Bei RoRo fahrt ihr (oder besser gesagt die Hafenmitarbeiter) das Fahrzeug wie in ein riesiges schwimmendes Parkhaus auf ein spezielles Autoschiff.

  • Vorteile: Keine Höhen- oder Breitenbeschränkungen – ideal für große Expeditionsmobile und hohe Sprinter. Man ist nicht auf einen Container Buddy angewiesen und die Buchung ist oft flexibler und für Einzelkämpfer günstiger.

  • Nachteile: Ihr müsst euren Schlüssel abgeben. Hafenmitarbeiter fahren das Auto auf und vom Schiff. Das bedeutet ein höheres Diebstahlrisiko. Zudem gibt es extrem strenge Regeln, was im Fahrzeug verbleiben darf.

Feature

Container-Verschiffung

RoRo (Roll-on / Roll-off)

Sicherheit

Sehr hoch (versiegelt) Höheres Diebstahlrisiko (Schlüsselabgabe)

Kosten

Hoch (günstiger mit Buddy) Oft günstiger für Einzelreisende

Größe

Max. 2,58 m Höhe (Containertür) Keine Beschränkungen

sonstige Risiken

Schimmelgefahr bei langer Standzeit Wetter/Salzwasser (v.a. während Verladung)

Vorbereitung für RoRo: Was darf am Van bleiben?

Das ist vermutlich der nervenaufreibendste Teil bei der RoRo-Verschiffung. Die Reedereien fordern ein komplett „leeres“ Fahrzeug. Das bedeutet: Nichts darf lose herumliegen. Die Fahrerkabine muss zwingend komplett leer und sauber sein! 😇

Das darf (meistens) bleiben: Fest verbaute Dinge sind kein Problem. Dazu gehören eingebaute Möbel, die fest installierte Solaranlage, das Roof Rack, die Heckbox. Auch das Reserverad und das Standard-Bordwerkzeug dürfen im Fahrzeug verbleiben. Alles, was den Umfang des Fahrzeugs vergrößert, kann aber unter Umständen zu einem Aufpreis führen, da sich die Anzahl m3 ändert und diese maßgebend für die Preisberechnung ist.

Das muss raus (oder extrem gut versteckt werden): Das Fahrzeug muss offiziell blickleer sein. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, muss streng genommen aus dem Van entfernt werden. In der Praxis heißt das: Alles was außen nicht fest installiert ist muss ins Fahrzeug, am besten gut verstaut - oder zumindest als Ladung gut gesichert sein. Alles von Wert nimmt man lieber wenn möglich im persönlichen Gepäck mit.

Maximale Sicherheit bei RoRo: Der Einbau einer Trennwand

Da man bei der RoRo-Verschiffung den Autoschlüssel abgebt, stellt sich die große Frage: Wie sichert man den Wohnbereich? Wir empfehlen wärmstens den Einbau einer Holztrennwand zwischen Fahrerkabine und Wohnraum.

DIY-Trennwand im Van für mehr Sicherheit bei der RoRo-Verschiffung von Cartagena nach Bremerhaven

Wir haben zudem unsere Schiebe- und Hecktür von innen mechanisch komplett verschlossen. Durch die Holz-Trennwand nach vorne ist der Wohnbereich unseres Sprinters somit absolut unzugänglich. Wichtiger Hinweis: Denkt bei der Sicherung unbedingt auch an eure Dachfenster! Diese werden oft vergessen, stellen aber eine potenzielle Einstiegsmöglichkeit dar und sollten von innen bestmöglich blockiert werden.

Unser Tipp für die Vorbereitung in Cartagena: Der Bau einer solchen Wand, das Ausräumen und Sichern erfordert Platz und Werkzeug. Dafür können wir euch den Campingplatz von Graham etwas außerhalb von Cartagena ans Herz legen. Dort hat man genug Platz, um euch mit dem Camper richtig auszubreiten und alles in Ruhe vorzubereiten. Graham ist super hilfsbereit in allen Belangen und leiht bei Bedarf sogar seine Stichsäge aus! Das nötige Holz für die Trennwand bekommt man problemlos in den umliegenden kleinen Tischlereien oder im großen Sodimac Homecenter direkt in Cartagena. Einziges Contra: bei unserem Aufenthalt haben uns Sandmücken geplagt, doch wie es scheint, waren wir die einzigen.

Der Verschiffungs-Prozess in Cartagena: Schritt für Schritt

Roberto am Hafen von Cartagena mit Helm und Warnweste

Die Abwicklung am Hafen von Cartagena ist ein bürokratischer Prozess, der bei uns zwei Tage in Anspruch genommen hat, sich mit 2 Tagen Verzögerung insgesamt über 4 Tage gezogen hat. Hier ist der genaue Ablauf für die Verschiffung.

⚠️ WICHTIG: Dresscode am Hafen Ohne lange Ärmel, lange Hosen und festes Schuhwerk (Turnschuhe reichen nicht immer!) wird euch der Einlass verweigert. Vor Ort erhält man noch einen Helm. Zudem wird es ab 10:00 Uhr brütend heiß – versucht, die frühesten Termine zu bekommen.

Sofern am selben Tag mehrere Reisende mit dem selben Agenten abgewickelt werden, wird die gesamte Gruppe in einem abgefertigt. Alle müssen also auf die anderen warten, bis sie fertig sind, bevor es zum nächsten Schritt gehen kann.

Phase 1: Formalitäten & Hafen-Check (4 Tage vor Verladung)

Der erste Tag ist von Formalitäten geprägt. Plant hierfür viel Zeit, Geduld und Wasser zum Trinken ein! Seid außerdem vorbereitet, dass manche Agenten die Formalitäten und Unterschriften lieber schon vorher separat abwickeln. ☀️

  1. Treffen mit dem Agenten: Wir treffen uns zunächst mit unserem Agenten Daniel Barrera, bei dem wir einige Dokumente unterschieben haben. 

  2. Einfahrt in den Hafen: Gemeinsam fahren wir auf das streng gesicherte Hafengelände von Cartagena und holen uns da die Einlasserlaubnis. Der Agent hat alle nötigen Daten dafür bereits im Vorfeld übermittelt.

  3. VIN Check (Fahrgestellnummer): Die Hafenbehörde gleicht die Fahrgestellnummer des Vans mit den Papieren (Title / Fahrzeugschein) ab. Stimmt hier auch nur ein Buchstabe nicht, gibt es Probleme.

  4. Wiegen des Vans: Jimmy muss auf die große Hafenwaage. Das Gewicht wird für die Frachtpapiere exakt dokumentiert (wie liegen bei 3,220 t).

  5. Der X-Ray (Röntgen-Scanner): Der gesamte Camper durch einen gigantischen Röntgen-Scanner gefahren, um illegale Fracht auszuschließen.

  6. Fahrzeugdaten aufnehmen: Jeder Kratzer, jede Delle und der genaue Zustand des Fahrzeugs werden dokumentiert. Es werden unzählige Fotos von allen Seiten gemacht.

  7. Schlüsselübergabe: Der emotionale Teil. Wir geben Jimmys Schlüssel ab, der Van bleibt von nun an im Hafen.

Nach diesem Tag hat sich die Ankunft des Schiffs um einen Tag verzögert. Da die Drogeninspektion 1 Tag vor der Ankunft des Schiffs durchgeführt wird, hat sich diese ebenfalls um einen Tag verschoben und wir hatten 2 "freie Tage" dazwischen.

Phase 2: Die Drogenkontrolle (1 Tag vor Verladung)

Ein Großteil der mitgeführten Sachen muss für die Drogenkontrolle draußen ausgebreitet werden

Kolumbien hat extrem strenge Ausfuhrkontrollen, weshalb die Antidrogenpolizei (Policía Antinarcóticos) jedes Fahrzeug peinlich genau inspiziert.

Für diesen Schritt mussten wir einen großen Teil des Inhalts unseres Vans ausräumen und neben Jimmy auf dem Asphalt ausbreiten. Danach kamen die Beamten mit einem Spürhund. Der Hund (unserer war zum Glück sehr entspannt und professionell) lief durch das Innere des Sprinters, schnüffelte an allen Möbeln und untersuchte anschließend unsere ausgeräumten Sachen auf dem Boden.

Alle Schränke müssen geöffnet und für den Drogenspürhund zugänglich sein

Dieser Prozess ist anstrengend, heiß und schweißtreibend, da man den Van danach unter Zeitdruck wieder komplett einräumen und sichern muss. Wenn der Spürhund nicht anschlägt, bekommt man den finalen Stempel und der Van wird geschlossen und durch Kleber an allen Türen versiegelt. 

Alles wird gesichert, die Trennwand eingebaut und unser Jimmy ist bereit für die Verschiffung. Sollte sich der Termin nun noch einmal verschieben, das Schiff aber gleich bleiben, ist eine erneute Drogenkontrolle nicht nötig.

Fazit: Bereit für das nächste Kapitel in Europa

Die Verschiffung von Südamerika nach Deutschland erfordert Planung, Flexibilität (wie unser spontaner Wechsel zu RoRo und die Verspätung des Schiffs beweist) und ein bisschen starke Nerven am Hafen. Mit einem fähigen Agenten wie Daniel Barrera und einer klaren Vorbereitung ist der Prozess in Cartagena aber absolut machbar und alle involvierten Personen waren sehr professionell und freundlich.

Wir freuen uns jetzt darauf, unseren Jimmy in wenigen Wochen in Bremerhaven (wir rechnen mit 17 Tagen) wieder unversehrt in Empfang zu nehmen.

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